𝗔𝗖𝗛𝗧𝗨𝗡𝗚, 𝗝𝗔𝗠𝗠𝗘𝗥𝗣𝗢𝗦𝗧! 𝗕𝗜𝗧𝗧𝗘 𝗠𝗜𝗧𝗟𝗘𝗜𝗗 𝗕𝗘𝗥𝗘𝗜𝗧𝗛𝗔𝗟𝗧𝗘𝗡! 🐿️🙄
Also echt jetzt, das geht ja wohl überhaupt nicht! Mir ist aufgefallen, dass ich hier seit Tagen, möglicherweise sogar seit Wochen, nicht mehr ordentlich herumgejammert habe. Wo kommen wir denn da hin? Ihr gewöhnt euch womöglich noch daran, dass ich ein ausgeglichener, pflegeleichter älterer Herr bin. Diesen schweren Irrtum müssen wir sofort aus der Welt schaffen.
Deshalb werde ich jetzt ein klein wenig mein Leid klagen, hemmungslos Mitleid erhaschen und mich öffentlich bedauern lassen. Ihr müsst mich anschließend alle virtuell ganz fest drücken. Allerdings vorsichtig. Der Körper ist inzwischen eher denkmalgeschützt als belastbar. Und wenn keiner drückt, werde ich wieder zum Hulk. Nur eben mit Herzschrittmacher und regelmäßigen Verschnaufpausen. 💚
Hier im tiefen, dunklen Wald schwingt das Wetter gerade mächtig Richtung Herbst. Und was macht der Herbst? Richtig: Er regnet. Dann macht er kurz Pause, damit die Luftfeuchtigkeit Gelegenheit hat, sich persönlich bei mir vorzustellen, und anschließend regnet er weiter.
Alles ist feucht. Die Wege, die Bäume, die Luft und vermutlich inzwischen auch die Bedienungsanleitung meines Schrittmachers. Die Bäume sammeln die Feuchtigkeit und geben sie langsam wieder ab. Selbstverständlich bevorzugt in meine Richtung. Ich bin offenbar der offiziell ausgewiesene Feuchtigkeitsbeauftragte des Thüringer Waldes.
Und mittendrin sitzen diese boshaften Eichhörnchen, mit denen ich seit Jahren Krieg führe. Auch dieses Jahr haben sie mir nicht eine einzige Haselnuss übrig gelassen. KEINE! Dafür werfen sie die leeren Schalen genau vor meine Haustür. Damit ich auch weiß, dass die Ernte hervorragend war. Nur eben ohne mich.
Anschließend sitzen sie bestimmt irgendwo auf einem Ast und lachen sich die buschigen Schwänze krumm, während unten ein alter Mann drohend die Faust schwingt. Für die bin ich wahrscheinlich das kostenlose Unterhaltungsprogramm zwischen Frühstück und Nussverstecken.
Wo waren wir? Ach ja. Jammern.
Mit meiner schweren Herzinsuffizienz und der durch eine Embolie geschädigten Lunge ist Atmen ohnehin keine Disziplin mehr, in der ich olympische Ambitionen habe. Im Moment bekomme ich wieder schlechter Luft, und ich befürchte, dass sich erneut Flüssigkeit angesammelt hat.
Besonders herrlich wird es beim Hinlegen. Kaum liege ich flach, beginnt das körpereigene Geräuschprogramm. Es röchelt und blubbert, als hätte ein überdimensionales Eichhörnchen beschlossen, mich beim Schlafen durch einen Unterwasserlehrgang zu begleiten. Ohne meine Zustimmung. Und selbstverständlich ohne bestandene Rettungsschwimmerprüfung.
Die Beschwerden selbst sind natürlich überhaupt nicht lustig. Einige von euch kennen das vermutlich. Ihr habt allerdings hoffentlich wenigstens vernünftige Eichhörnchen.

Morgen geht es wieder nach Friedrichroda ins Krankenhaus zum Kardiologen, genauer gesagt zum Nachfolger meines eigentlichen Kardiologen. Der darf mich untersuchen, den Schrittmacher auslesen und feststellen, was bei diesem älteren Modell noch alles blinkt, piept und nach Aufmerksamkeit verlangt.
Ich hoffe ja immer, dass beim Auslesen wenigstens einmal steht: „Alle Systeme einwandfrei. Besitzer stellt sich lediglich an.“
In meinem Kopf läuft vorsorglich schon die besonders sparsame Variante des Arztgesprächs: „Herr Jacob, haben Sie eigentlich eine Vorstellung davon, was Sie die Allgemeinheit inzwischen kosten?“
Dann kommt ein Mitarbeiter mit Klemmbrett herein und prüft, ob sich eine weitere Reparatur noch lohnt oder ob ich bereits unter irgendeine Abwrackprämie falle. Herr Merz bekommt beim Gedanken an die möglichen Einsparungen vermutlich spontan gute Laune. Ich hingegen bestehe weiterhin ziemlich unverschämt auf Ersatzteilen und Weiterbetrieb.
Wovor ich besonders großen Respekt habe: Falls wieder Flüssigkeit um die Lunge herum abgelassen werden muss und dafür diese dicke Nadel zum Einsatz kommt. Ein medizinisches Gerät, bei dessen Anblick man sich fragt, ob heute noch ein Mensch behandelt oder anschließend ein Gartenteich entwässert werden soll.
Der einzige Trost: Derjenige steht dabei hinter mir. Ich sehe also wenigstens nicht, wie er sich mit dem Werkzeug nähert. Eine sehr rücksichtsvolle Form der Kundenbetreuung.
Vielleicht steht auch wieder eine Herzkatheteruntersuchung an, möglicherweise über Vene und Arterie. Einmal das komplette Besichtigungsprogramm. Vielleicht kommt auch ein Herz-CT infrage. Was sinnvoll ist, muss der Arzt entscheiden. Ich wäre jedenfalls für die Variante mit möglichst wenig Baustelle.
Mit dem CT kann man allerdings keine Stents setzen. Und da bin ich inzwischen schließlich Sammler: Vier Stück nenne ich schon mein Eigen. Andere sammeln Briefmarken, ich lasse meine Sammlung fachgerecht im Körper aufbewahren. Die Präsentation ist etwas umständlich, dafür muss ich nichts abstauben.
Ich werde euch berichten, was bei der Untersuchung herauskommt.
Damit ist der heutige Jammerpost beendet. Virtuelle Umarmungen, aufrichtiges Bedauern und anerkennendes Kopfschütteln über mein schweres Schicksal werden ab sofort entgegengenommen.
Haselnüsse ebenfalls. Aber bitte diskret. Der Feind sitzt im Baum und liest mit. 🐿️
Veröffentlicht mit Welako
mein vote hast gestern nacht bekomen
das mit den eichhörnchen ist ja n ding,diese schlingel :-)
cool geschrieben
beste gesundheitswünsche sende ich dir
auf das alles wieder schön gerichtet werden kann,wasser in der lunge ist kein spatziergang
alles liebe