𝗗𝗜𝗘 𝗟𝗘𝗧𝗭𝗧𝗘 𝗠𝗜𝗡𝗨𝗧𝗘

in #deutsch • 4 days ago

Vielleicht ist das einer dieser Wünsche, über die man nicht gern spricht und die trotzdem fast jeder tief in sich trägt: Wenn irgendwann die letzte Minute kommt, möchte man nicht allein sein.

Ich wünsche mir dann keine großen Worte. Keine Erklärungen darüber, was jetzt geschieht. Keine hektischen Schritte, keine Menschen, die versuchen, irgendeinen richtigen Satz zu finden. Ich möchte nur, dass jemand da ist. Jemand, den ich liebe. Jemand, dessen Hand ich kenne.

Halte sie einfach fest.

Vielleicht werde ich deine Hand nicht mehr richtig drücken können. Vielleicht werde ich deine Stimme nur noch von weit weg hören. Vielleicht bin ich schon irgendwo zwischen Hierbleiben und Loslassen. Aber vielleicht spüre ich trotzdem, dass du da bist.

Dann beug dich zu mir und flüstere ganz leise:

„Alles wird gut.“

Du musst nicht wissen, ob das stimmt. In diesem Moment reicht es vollkommen, wenn ich es glauben kann.

Und vielleicht sagst du noch:

„Du kannst gehen. Ich bin bei dir.“

Vielleicht ist genau das der größte Liebesbeweis, den ein Mensch einem anderen am Ende noch geben kann. Nicht festhalten, obwohl man selbst verzweifelt möchte, dass er bleibt. Sondern die Hand halten und ihm erlauben zu gehen.

Wir verbringen unser ganzes Leben damit, Menschen zu begrüßen. Wir feiern Geburten, Geburtstage, Hochzeiten und Neuanfänge. Aber über diesen letzten Abschied sprechen wir kaum. Dabei wartet er auf jeden von uns.

Vielleicht macht uns nicht einmal der Tod selbst am meisten Angst. Vielleicht ist es die Vorstellung, in diesem letzten Augenblick allein zu sein. Niemand, der unseren Namen sagt. Niemand, der unsere Hand hält. Niemand, der uns noch einmal das Gefühl gibt, dass wir zu jemandem gehören.

Denn selbst wenn der Körper irgendwann müde geworden ist und nicht mehr weiterkann, bleibt vielleicht bis zuletzt dieses ganz einfache menschliche Bedürfnis:

Bleib noch einen Moment bei mir.

Ich brauche keine ganze Nacht mehr.

Keine weiteren Jahre.

Vielleicht nur diese eine Minute.

Erzähl mir nichts von Dingen, die noch erledigt werden müssen. Sag mir nicht, dass ich kämpfen soll, wenn ich keine Kraft mehr habe. Erinnere mich lieber an etwas Schönes. An irgendeinen gemeinsamen Tag. An ein Lachen. An einen Sommer. An einen vollkommen unwichtigen Augenblick, der plötzlich wichtiger ist als alles andere.

Und wenn du an etwas nach dem Tod glaubst, dann darfst du mir auch sagen:

„Wir sehen uns wieder.“

Ob irgendwo ein Danach auf uns wartet, weiß keiner von uns. Aber vielleicht gehört Hoffnung genau deshalb zu diesem letzten Augenblick. Vielleicht muss nicht alles bewiesen werden, damit es Trost schenken darf.

Vielleicht schließe ich dann die Augen und höre nur noch deine Stimme.

„Hab keine Angst.“

„Ich bin hier.“

„Alles ist gut.“

Und irgendwann wird meine Hand in deiner still.

Das wird für dich wahrscheinlich einer der schwersten Augenblicke deines Lebens sein.

Für mich vielleicht der friedlichste.

Denn ich musste nicht allein gehen.

Vielleicht ist das am Ende überhaupt das Wichtigste: Nicht wie groß das Haus war, wie viel Geld auf dem Konto lag oder wie viele Menschen unseren Namen kannten.

Sondern dass bei unserem letzten Atemzug ein Mensch neben uns sitzt, dessen Hand wir erkennen würden, selbst wenn wir nichts anderes mehr erkennen.

Und dass das Letzte, was uns aus diesem Leben begleitet, keine Angst ist.

Sondern Liebe.


Veröffentlicht mit Welako

Sort:  

das berührt mich grade

ich hielt sie 6 stunden ihres letzten schrittes

unser leben war bunt,wild und rasend
dann der letzte hauch
und ich hielt sie

ich wollte nie das sie geht
doch ihr lebensplan war zuende

der härteste gang meines lebens
meine schwester starb zwischen meinen beinen
auf meinem bauch
am herzen

sehr berührender post

Erinnert mich an den Moment als unser Basset eingeschlafen ist.

Niemand war geblieben als der Tierarzt ihn von seinen Schmerzen und seinem Leid erlöste.

Die Treue Seele, der Tierarzt und ich waren allein. Im Raum.

Ist bestimmt schon über 30 Jahre her. Als der Tierarzt die Spritze aufzog begann der Liebe an zu Zittern. Am ganzen Körper. So als ob er wusste was auf ihn zukommt.

Ich schloss ihn in meine Arme und sagte ihm genau das: "Ich bin bei Dir. Alles wird gut!" Sofort hörte er auf zu zittern und würde ganz ruhig in meinen Armen. Erst dann setzte der Tierarzt die Spritze.

Kein Zittern, keine Schmerzen, keine Qualen.

Nur Liebe und Beistand.

Jeder der ein Tier hat, sollte es auf seinem letzten Weg stets begleiten. Umgekehrt gilt dies auch.

✨🕊️🙏