𝗛𝗘𝗨𝗧𝗘 𝗚𝗘𝗛𝗧 𝗘𝗦 𝗭𝗨𝗥 𝗗𝗥𝗨𝗖𝗞𝗘𝗥𝗘𝗜

in #deutsch • 7 days ago

𝗗𝗔𝗡𝗡 𝗜𝗦𝗧 𝗦𝗖𝗛𝗟𝗨𝗦𝗦 𝗠𝗜𝗧 𝗗𝗘𝗠 𝗩𝗘𝗥𝗕𝗘𝗦𝗦𝗘𝗥𝗡 😅📚

Ich habe die ganze letzte Nacht noch einmal durchgemacht. Heute gegen 16 Uhr sollen die finalen Druckdateien an die Druckerei gehen. Wenn ich dann auf „Senden“ drücke, gibt es kein Zurück mehr. Dann wird genau das gedruckt, was jetzt in den Dateien steht – samt jeder Zeile, jeder Grafik und jedem Fehler, der sich bis dahin besonders gut versteckt hat.

Ich bin das Buch inzwischen gefühlt 20- oder 30-mal durchgegangen. Zusätzlich habe ich das Manuskript mit mehreren Tools verschiedener Hersteller prüfen lassen. Und tatsächlich wurden noch Fehler gefunden: falsche Worttrennungen, optische Kleinigkeiten, die nicht ganz passten, und vermutlich ein paar Dinge, die sich beim vorherigen Durchgang einfach totgestellt haben.

Zwei Grafiken habe ich noch einmal komplett überarbeitet. Denn wenn man kurz vor dem Druck steht, ist es natürlich der ideale Zeitpunkt, noch einmal alles umzubauen und neu zu machen. Schlaf wird ohnehin überschätzt.

Mit dem Buch angefangen habe ich vor ungefähr sechs Jahren. Inzwischen dürften rund 2.000 Stunden in diesem Projekt stecken. Und damit meine ich nicht nur das Schreiben. Dazu kamen die Auswahl der Schriften und Initialen, die Suche nach der passenden Druckerei und sogar die Entscheidung, auf welchem Papier das Buch gedruckt wird. Die Grafiken habe ich gemeinsam mit meinem Sohn erstellt und bearbeitet. Sechs Jahre Arbeit und ungefähr 2.000 Stunden – und heute soll am Ende ein einziger Klick entscheiden, ob alles so aussieht, wie wir uns das vorgestellt haben. Kein Druck also. 😅

Irgendwann muss aber Schluss sein. Bei einem Buch mit über 500 Seiten findet man wahrscheinlich immer noch irgendwo etwas. Man kann es 20-mal lesen, 30-mal prüfen und von mehreren Programmen durchsuchen lassen – und beim nächsten Durchgang entdeckt man dann ein Komma, das sich seit Monaten als Satzzeichen tarnt. Selbst ein Korrektor findet nicht jeden Fehler. Wer behauptet, sein Buch sei fehlerfrei, hat es vermutlich einfach noch nicht oft genug gelesen. 😄

Heute soll also der endgültige Stand an die Druckerei gehen. Danach beginnt das große Warten auf das erste gedruckte Freigabeexemplar, das mir per Kurier zugeschickt wird. Erst dann sehe ich, wie das fertige Buch wirklich aussieht und sich anfühlt.

Ein hochwertiges Hardcover mit Fadenheftung, über 500 Seiten und 40 Vignetten. Mein Ziel ist, dass man das Buch in die Hand nimmt und denkt: Das könnte 1980 in einem DDR-Verlag erschienen sein. An der Gestaltung habe ich jedenfalls lange genug gearbeitet. Jetzt muss nur noch die Druckerei mitspielen – und das Buch darf sich beim Drucken nicht plötzlich eigene kreative Freiheiten nehmen.

Auf der anderen Seite stehen allerdings 2.000 Exemplare und eine Rechnung, bei der einem die Freude an der Fadenheftung kurzzeitig aus dem Gesicht fallen kann. Das ist nicht nur ein Herzensprojekt, sondern auch ein großes finanzielles Risiko. Wenn bei den Druckdaten etwas Schwerwiegendes schiefläuft, wird aus dem Buchprojekt schnell ein Fiasko. So einen Verlust steckt man nicht einfach weg. Da hilft dann auch kein Korrekturprogramm mit der beruhigenden Meldung: „Keine Fehler gefunden.“ 😅

Die Auslieferung ist für den 23. oder 25. November geplant. Dann bringt eine Spedition vier Paletten Bücher in den tiefen, dunklen Wald – ungefähr zwei Tonnen. Die müssen hier natürlich auch irgendwo untergebracht werden. Ich darf mir also nicht nur Gedanken über den Druck machen, sondern auch darüber, wo ich spontan eine kleine Buchhandlung mit angeschlossenem Lager eröffne. 📦

Bis zum 25. November sind es noch 48 Tage. 48 Tage, in denen ich vermutlich nicht schlafen kann: erst wegen der Druckdateien, dann wegen des Freigabeexemplars und anschließend wegen der vier Paletten, die sich ihren Weg in den Wald bahnen.

Wenn ihr mein Zittern ein wenig verringern wollt, könnt ihr natürlich auch ganz selbstlos noch ein Buch bestellen. Jede Bestellung beruhigt den Autor – zumindest kurz, bis ihm wieder ein möglicher Druckfehler einfällt. 😅
https://ddr20buch.de/


Veröffentlicht mit Welako