𝗧𝗔𝗚 𝟮 𝗙𝗔𝗦𝗧𝗘𝗡
𝗨𝗡𝗗 𝗝𝗔, 𝗗𝗜𝗘 𝗧𝗛Ü𝗥𝗜𝗡𝗚𝗘𝗥 𝗕𝗥𝗔𝗧𝗪𝗨𝗥𝗦𝗧 𝗗𝗔𝗥𝗙 𝗕𝗟𝗘𝗜𝗕𝗘𝗡 😁
Heute ist mein zweiter richtiger Fastentag. Eigentlich wäre es schon der dritte, aber der erste Versuch war eher eine freundliche Annäherung an das Thema. Sagen wir es mal so: Der Wille war da, der Magen hatte andere Ideen, und der Kopf hielt Essen wieder einmal für seelische Notfallversorgung. Heute ziehe ich aber komplett durch bis morgen. Danach geht es wieder mit Intervallfasten 18:6 weiter und parallel will ich vier Wochen Keto durchziehen. Mit ungefähr zwei Monaten Verspätung zwar, aber gut – andere bekommen in der Zeit nicht mal einen Facharzttermin, da bin ich mit meinem verspäteten Neustart ja noch fast vorbildlich.
Länger fasten werde ich im Moment allerdings nicht auf eigene Faust. Ich nehme fast 14 Tabletten am Tag und zusätzlich noch eine Spritze pro Woche. Mein Körper ist also sowieso schon gut beschäftigt. Besonders wichtig ist dabei Jardiance. Das ist ein sogenannter SGLT2-Hemmer. Beim längeren Fasten, bei sehr geringer Kalorienzufuhr oder bei strenger ketogener Ernährung bildet der Körper ohnehin verstärkt Ketonkörper. Jardiance kann diesen Effekt zusätzlich verstärken. Und genau da wird es unerquicklich, denn dadurch kann das Risiko einer euglykämischen Ketoazidose steigen. Das Heimtückische daran ist, dass der Blutzucker dabei sogar relativ normal aussehen kann. Man schaut also vielleicht auf den Wert und denkt sich: „Na wunderbar, alles im grünen Bereich“, während der Körper im Hintergrund bereits seine ganz eigene kleine Krisensitzung abhält.
Deshalb ist für mich nach ein paar Tagen Schluss, solange das nicht vernünftig ärztlich begleitet wird. Ich habe, meine ich, um den 20. dieses Monats wieder einen Termin beim Kardiologen. Da werde ich das ansprechen. Meine Überlegung ist nämlich schon länger, irgendwann einmal 14 Tage Wasserfasten zu machen, aber eben nicht nach dem beliebten Facebook-Prinzip „wird schon gutgehen“, sondern unter Kontrolle. Also regelmäßig Blutwerte, Zucker, Ketone und eben alles, was man im Blick behalten sollte. Dann kann man gemeinsam schauen, ob das mit meinen Medikamenten und meiner Herzinsuffizienz überhaupt sinnvoll ist.
Ketogen ernährt habe ich mich in den letzten zwei Jahren bereits dreimal, jeweils für einen Zeitraum zwischen einem und zwei Monaten. Und ich muss sagen: Das hat mir jedes Mal sehr gut getan. Ich hatte mehr Energie und insgesamt ein deutlich besseres Gefühl. Mein Problem ist nur, dass ich es auf Dauer einfach nicht schaffe, komplett auf Kohlenhydrate zu verzichten. Vier Wochen sollten aber machbar sein. So jedenfalls der Plan. Wobei Pläne bekanntlich oft in etwa so stabil sind wie gute Vorsätze vor einem warmen Bäckerregal.
Wichtig ist aber eines: Meine geliebte Thüringer Bratwurst bleibt. Nur das Brötchen fliegt raus. Man muss ja Prioritäten setzen. Ich bin doch nicht völlig wahnsinnig geworden. Die Wurst darf also selbstverständlich weiterhin mein Leben bereichern, nur eben ohne diese kohlenhydrathaltige Begleiterscheinung, die sich jahrelang dreist dazugesellt hat, als wäre sie unverzichtbar. Nein, das Brötchen darf künftig zuschauen, wie die Bratwurst allein glänzt. Und ganz ehrlich: Eine echte Thüringer braucht eigentlich auch kein Brötchen, um ihre Würde zu behalten.
Natürlich möchte ich mit der ganzen Aktion auch wieder etwas abnehmen. Vor allem dieses blöde viszerale Fett rund um den Bauch darf sich gern verabschieden. Es wohnt schließlich schon viel zu lange kostenlos bei mir. Noch wichtiger ist mir aber der Energieschub. Genau den hatte ich bei Keto bisher jedes Mal, und genau den könnte ich aktuell sehr gut gebrauchen. Gerade mit meiner Herzinsuffizienz ist das natürlich nichts, woran ich völlig blind herumdoktore. Ich werde also, soweit ich das zu Hause kann, meine Zuckerwerte, meine Ketone und natürlich auch mein allgemeines Befinden im Auge behalten.

Am Samstag werde ich zum ersten Mal wieder meine Ketone im Blut messen. Ich gehe davon aus, dass ich dann schon in Ketose bin. Beim Fasten stellt der Körper ja nach einiger Zeit auf Fett als Energiequelle um, und genau das ist am Ende auch das Ziel. Bei Keto werden die Kohlenhydrate dann sehr stark reduziert. Ganz genau ist das von Mensch zu Mensch etwas unterschiedlich, aber ich werde am Anfang wieder sehr niedrig einsteigen. Eher so im Bereich, wo ein falscher Blick auf eine Scheibe Brot schon fast als Grenzverletzung gilt.
Und bevor jetzt wieder die große Ratgeberparade startet: Nein, ich brauche keine guten Tipps aus der Kommentarspalte. Ich weiß nämlich jetzt schon, wie das läuft. Der Erste erklärt mir, ich müsse unbedingt mehr Salz essen. Der Zweite sagt, Salz sei mein Untergang. Der Dritte empfiehlt irgendeinen Tee, der Vierte irgendein Wundermittel und Nummer fünf möchte mir dann wahrscheinlich die Hände auflegen, dreimal um mich herumtanzen und meinen Energiefluss neu sortieren. Lasst es einfach. Ich bespreche medizinische Dinge mit meinen Ärzten, messe meine Werte selbst und höre auf meinen Körper. Das ist am Ende deutlich sinnvoller, als wenn sich unter dem Beitrag wieder eine halbe Online-Heilpraktikerschule versammelt.
Ein großer Punkt ist bei mir ohnehin der Kopf. Mein Buch ist fertig. Morgen leiste ich die Anzahlung, und dann geht es wirklich in die letzte Phase. Es fehlt nur noch ein Bild für den Vorsatz und eine Kleinigkeit am Umschlag, die mein Sohn noch macht. Danach fällt mir wahrscheinlich erst einmal eine ganze Last von den Schultern. Und ich merke selbst, dass ich in den letzten Wochen und Monaten Süßkram und kohlenhydratreiches Essen viel zu oft als Belohnung benutzt habe. Nach dem Motto: „Du hast so viel gearbeitet, jetzt hast du dir etwas verdient.“ Und aus diesem „etwas“ wurde dann gern mal eine ausgewachsene Feier zu Ehren sämtlicher verfügbaren Kohlenhydrate.
Mein Körper brauchte das vermutlich nicht. Mein Kopf war da allerdings anderer Meinung. Genau deshalb bin ich diesmal auch etwas skeptischer als bei den letzten Anläufen. Früher hatte ich mit Keto eigentlich keine großen Probleme. Diesmal wird sich zeigen, ob ich die vier Wochen wirklich sauber durchziehe. Vielleicht klappt es problemlos. Vielleicht stehe ich in ein paar Tagen nachts vor dem Kühlschrank und halte eine emotionale Abschiedsrede auf ein Brötchen. Aber eines ist sicher: Die Thüringer Bratwurst bleibt im Spiel – nur eben in der keto-tauglichen Version. Man muss schließlich nicht gleich jeden Spaß im Leben abschaffen.
Ich werde auf jeden Fall weiter berichten.
Veröffentlicht mit Welako