𝗗𝗘𝗥 373. 𝗭𝗪𝗜𝗘𝗕𝗘𝗟𝗠𝗔𝗥𝗞𝗧
𝗕𝗜𝗦 𝗭𝗨 300.000 𝗠𝗘𝗡𝗦𝗖𝗛𝗘𝗡 – 𝗨𝗡𝗗 𝗜𝗖𝗛 𝗦𝗢𝗟𝗟 𝗠𝗜𝗧𝗧𝗘𝗡𝗥𝗘𝗜𝗡? 🧅
Planung ist eben alles. Eigentlich wollten das Anhängsel und ich am Donnerstag für zwei, drei Tage nach Weimar fahren. Ich hatte extra gesagt: „Aber nicht, wenn Zwiebelmarkt ist.“
„Der war letzte Woche“, kam prompt die beruhigende Auskunft.
Gestern Abend habe ich vorsichtshalber noch einmal nachgeschaut. Und siehe da: Der 373. Zwiebelmarkt findet genau diese Woche statt. Vom 9. bis 11. Oktober. Bis zu 300.000 Besucher werden erwartet. Also nur ein kleines, beschauliches Treffen unter Freunden. Wenn man 300.000 Freunde hat. 😅
So ein Gedrängel ist eigentlich nichts mehr für mich. Ich wohne schließlich einsam in den tiefen, dunklen Wäldern und bin Menschenmengen nur noch aus dem Fernsehen gewohnt. Da kann man sich in Ruhe fragen, ob man wirklich Lust hat, sich zwischen Hunderttausenden durchzuschieben – oder ob man vielleicht lieber gemütlich im Wohnmobil sitzt und niemandem versehentlich auf den Zwiebelzopf tritt.
Dabei war ich das letzte Mal zu DDR-Zeiten auf dem Zwiebelmarkt. Damals hatte ich sogar einen eigenen Stand und habe meinen selbst gefertigten Modeschmuck verkauft. Die Stelle, an der wir standen, habe ich ungefähr wiedergefunden. Ich musste damals nur den Koffer aufmachen, schon standen die Leute da. Nach einer halben oder einer Stunde war ich ausverkauft.
Heute müsste man vermutlich erst den Stand beantragen, die Standgebühr finanzieren, eine Stromrechnung unterschreiben und anschließend den Modeschmuck so teuer verkaufen, dass die Kundschaft beim Bezahlen gleich noch ein kleines Stück ihrer Altersvorsorge da lässt.
Und damit wären wir bei den Preisen. Bei solchen Märkten hat man manchmal den Eindruck, dass die Preise schon steigen, sobald man den ersten Stand sieht. Natürlich müssen die Betreiber etwas verdienen. Schuld sind ja immer die Standgebühren. Fragt man dann, um wie viel Prozent diese in den letzten Jahren gestiegen sind, herrscht plötzlich Schweigen. Wahrscheinlich ist die Antwort so geheim, dass sie nur auf einer Zwiebel steht – und die hat vorher jemand kleingeschnitten.

Dann kommen noch die Strompreise ins Spiel. Bei einem Stand mit Zwiebelzöpfen oder anderem Kleinkram frage ich mich allerdings: Was genau wird da mit Strom betrieben? Die Zwiebeln selbst? Und falls irgendwo eine Lampe brennt: Muss deren Stromrechnung wirklich auf jedes einzelne Gesteck umgelegt werden, bis der Zwiebelzopf preislich mit einer kleinen Kreuzfahrt konkurriert?
Vielleicht wird der Markt im nächsten Jahr für mich wieder interessant. Dann könnte ich dort meinen Roman „DDR 2.0 – Was wäre, wenn wir geblieben wären?“ verkaufen. Im Juni soll außerdem mein nächstes Meisterwerk erscheinen: „Ich war klein, mein Herz war rein – Kindheitsgeschichten aus der DDR“.
Zwei Bücher, ein paar Merchandising-Artikel und dazu meine limitierten Vignetten aus dem Buch. Dafür habe ich mir extra einen Stiftplotter gekauft. Der soll die Zeichnungen anfertigen, während ich danebenstehe und so tue, als hätte ich die Maschine nicht nur gekauft, weil ich unbedingt noch ein teures Hobby brauchte. Ob das jemanden interessiert? Keine Ahnung. Das erfährt man auf Märkten meistens erst, wenn man den Standplatz bezahlt hat.
Aber erst einmal stellt sich die wichtigere Frage: Fahre ich am Donnerstag überhaupt nach Weimar?
Ich bin eher dafür, zu Hause zu bleiben. 300.000 Menschen, Gedrängel, Musik, Zwiebelduft und Preise, bei denen man nach dem Einkauf erst einmal seine Kontoauszüge trösten muss – das ist für einen alten Mann aus dem Wald ungefähr so entspannend wie ein Zahnarztbesuch im Laufschritt.
Nur habe ich vermutlich nicht viel zu melden. Das Anhängsel wird wahrscheinlich sagen: „Du fährst mich hin. Und jeden Morgen stellst du mir im Wohnmobil ein ordentliches Frühstück auf den Tisch.“
Na gut. Dann senke ich eben das Haupt, starte das Wohnmobil und fahre nach Weimar. Man muss Prioritäten setzen. Meine liegt offenbar irgendwo zwischen Zwiebelzopf und Frühstücksdienst. 😂
#Zwiebelmarkt #Weimar #Wohnmobil
Veröffentlicht mit Welako