Energieautarkie - Step 1
Ich liebe die Freiheit und Unabhängigkeit. Und ich bin ein Selbermacher. Schon immer gewesen. Wenn ich etwas selbst in die Hand nehmen kann, dann tue ich das auch. Nicht unbedingt, weil es einfacher ist, sondern weil es mir Freude macht, Dinge zu verstehen, zu planen und schließlich mit den eigenen Händen umzusetzen.
1999 haben wir unser Grundstück erworben. Unser Einfamilienhaus habe ich selbst geplant und anschließend gemeinsam mit einer Baufirma und mit reichlich Eigenleistung gebaut. Seither gibt es eigentlich immer etwas zu tun. Und die Ideen gehen mir so schnell nicht aus. :-)
Auch bei unserer Ernährung schätze ich ein Stück Unabhängigkeit. Wie hier beschrieben, versorgt uns in den Sommer- und Herbstmonaten unser Garten reichlich mit selbst angebautem Obst und Gemüse.
Nun steht mein nächstes großes Projekt an: Energieautarkie!
Ein winziges Stück von der Sonne
Unsere Sonne ist ein gigantischer Fusionsreaktor, der seit Milliarden Jahren zuverlässig Energie liefert. Rund 173.000 Terawatt Strahlungsleistung treffen unaufhörlich auf die Erde beziehungsweise ihre Atmosphäre. (Quelle: NASA)
Von dieser gewaltigen Energiemenge möchte ich künftig ein paar Kilowatt für mich abgreifen.
Die Idee beschäftigt mich schon länger. Seit einigen Monaten recherchiere, rechne und plane ich nun ganz konkret. Dabei geht es mir nicht nur darum, meine Stromrechnung zu reduzieren. Ich möchte möglichst unabhängig von Energieversorgern, Strompreisen und auch von der Verfügbarkeit des öffentlichen Stromnetzes werden.
Vollständige Autarkie zu jeder Jahreszeit ist in unseren Breiten wahrscheinlich nicht möglich. Vor allem in dunklen Wintermonaten könnte es schwierig werden. Doch genau das will ich herausfinden. Welcher Grad an Autarkie ist erreichbar?
Erst einmal aufs Dach geschaut
Vorab habe ich den Dachdecker meines Vertrauens zu mir bestellt und die baulichen Voraussetzungen einschließlich der Dachstatik prüfen lassen. Alles bestens! Das Dach hat eine sehr tragfähige Unterkonstruktion, die Ausrichtung passt und es gibt keine Verschattungen.
Damit stand der praktischen Umsetzung nichts mehr im Wege.
Vor wenigen Wochen dann der nächste große Schritt, der "Point of no Return" 😉 Ich habe eine ganze Palette (36 Stück) Solarmodule bestellt. Nach meiner Berechnung die ökonomisch sinnvollste Lösung
Jedes einzelne Modul hat eine Nennleistung von 460 Watt. Zusammen sind das 16.560 Watt, also 16,56 kWp installierte Solarleistung. Auf die Süd-Ost Seite des Dachs passen bequem 20 Module, die restlichen 16 lass ich auf die Nord-West Seite montieren. Die sollen dann die Energie der Nachmittags-und Abendsonne einfangen.
Zunächst mussten die Module aber erst einmal sicher verstaut werden. Also hieß es: auspacken, tragen und im Keller einlagern. 36 mal 25,5 kg. Da weiß man am Abend, was man getan hat.
Eigenen Strom erzeugen
Die Solarmodule erzeugen zunächst Gleichstrom. Ein Wechselrichter macht daraus den Wechselstrom, den wir im Haus benötigen. Dazu kommt ein ausreichend dimensionierter Batteriespeicher, damit die am Tag gewonnene Energie auch nachts zur Verfügung steht. Und dann gibt es noch eine Frage, die für mich besonders wichtig ist:
Was passiert eigentlich, wenn das öffentliche Stromnetz ausfällt?
Viele Besitzer einer Solaranlage dürften überrascht sein, dass ihre Anlage bei einem Stromausfall ebenfalls abschaltet. Selbst dann, wenn draußen die Sonne vom wolkenlosen Himmel scheint! Das ist bei gewöhnlichen netzgekoppelten Anlagen aus Sicherheitsgründen so vorgesehen.
Autarkie bedeutet aber, auch oder gerade bei bei einem Netzausfall eigenen Strom nutzen Zu können. Das muss schon bei der Planung berücksichtigt werden. Dabei gibt es unterschiedliche Konzepte:
Notstrom: Die einfachste Lösung. Bei einem Stromausfall lassen sich einzelne Geräte, beispielsweise ein Kühlschrank oder eine Lampe, über einen speziellen Anschluss weiterbetreiben. Das übrige Haus bleibt ohne Strom. Gefällt mir nicht.
Inselanlage: Hier besteht überhaupt keine Verbindung zum öffentlichen Stromnetz. Kommt ebenfalls nicht in Frage. Ich kann und will den Netzanschluss nicht abmelden. Zum einen weil ich mir das Netzbackup erhalten möchte, zum Anderen, weil ich natürlich einen Teil der Überschüsse einspeisen möchte.
Ersatzstrom: nennt man die Lösung, die ich anstrebe. Im normalen Betrieb bleibt das Haus weiterhin mit dem öffentlichen Stromnetz verbunden. Mein Haus wird aber vorrangig von selbst erzeugtem Solarstrom oder gespeichertem Batteriestrom versorgt. Reicht die eigene Energie nicht aus, kann Strom aus dem Netz bezogen werden. Bei Überschuss und voller Batterie kann eingespeist werden.
Das setzt allerdings einen dafür geeigneten Wechselrichter und eine entsprechende Elektroinstallation voraus. Bei einem Netzausfall wird das Haus sicher vom öffentlichen Stromnetz getrennt und anschließend durch den Wechselrichter mit Energie aus der Batterie und, sofern verfügbar, den Solarmodulen versorgt. Das ist für mich der entscheidende Unterschied: Ich möchte nicht nur Strom erzeugen, sondern meine Energieversorgung möglichst selbst in der Hand haben.
Es gibt also noch reichlich zu planen, zu rechnen und zu tun. Und genau das macht mir Spaß!
Jetzt interessiert mich eure Meinung:
Nutzt du bereits selbst erzeugte Solarenergie? Oder planst du eine eigene Solaranlage für die Zukunft?
Und falls du schon eine besitzt: Wie zufrieden bist du damit? Würdest du heute etwas anders machen?
Ich freue mich auf eure Erfahrungen und Kommentare!
Viele Grüße
@germansailor
In meinem Gedankenspiel mit ChatGPT würde ich das Grundstück des Nachbarn kaufen (aktuell Weinanbaugebiet), die Weinberge (zumindest die Meisten) entfernen und ein kleines, 2-Stöckiges Hobby-Häuschen aufbauen. Das würde dann mit Solar betrieben werden.
Wenn ich das ganze Gedankenspiel durchdenke, würde neben dem Häuschen noch ein Pool dazukommen und ein Parkplatz, so 3-4 Stellplätze, simpel überdacht und dort nochmals Solar auf die Überdachung. Damit würde meist genug Strom erzeugt werden können fürs Häuschen, Poolfilter (im Winter wird weniger Strom erzeugt, aber der Poolfilter läuft da ja auch nicht ;) ) und 2 Batterien zum Speichern der Energie für die Abende.
Wäre echt cool, sowas mal umzusetzen, aber es bleibt vermutlich beim Gedankenspiel, denn selbst wenn der Nachbar verkaufen würde, bleibt das Grundstück trotzdem noch Landwirtschaftliche Nutzung und das zu ändern ist dann doch wieder schwerer...
Aber viel Spaß dir bei deinem Projekt ;)
Hi @dissi, das ist eine schöne Vorstellung, ein autarkes Häuschen inmitten von Weinbergen.
Aus eigener Erfahrung weiß ich: Man braucht große Ziele, eine VISION, um wirklich etwas Lohnendes zu erreichen. Lass deinen Plänen Freiraum und bleib flexibel. Wenn du das wirklich willst, wirst du irgendwo ein bezahlbares Grundstück oder ein älteres Haus finden, wo du deine Träume verwirklichen kannst.
Ende der 1980er Jahre lebte ich mit meiner Frau und zwei kleinen Kindern in einer viel zu engen Mietwohnung. Wir wollten etwas Eigenes und haben eisern gespart. Ende der 90er war es dann so weit. Wir hatten 25.000 DM Eigenkapital, fanden ein bezahlbares Grundstück und bemühten uns um einen Baukredit. Den haben wir nach einigem Kampf auch bekommen.
Und dann ging plötzlich alles ganz schnell ...
Heute, mehr als 25 Jahre später, bin ich froh, dass wir damals an unserem Traum festgehalten haben. Natürlich lief nicht immer alles nach Plan. Aber ohne diese Vision würden wir heute vermutlich nicht in unserem eigenen Haus wohnen.
Also lass dein Gedankenspiel ruhig zu einer Vision werden. Und mach heute schon den ersten kleinen Schritt. Wer ein wirklich großes Ziel vor Augen hat, erkennt auch die Gelegenheiten, die sich auf dem Weg dorthin ergeben. :-)
Ich wünsche dir besten Erfolg!
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Hallo Thomas,
danke für deine aufmunternden Worte :) Das Ding ist halt, es muss das Nachbarsgrundstück sein, da ich dort meinen PC hinstellen würde in dem Häuschen. Dann wäre es blöd, wenn man dauernd hin und her pendeln müsste mit dem Auto^^ so z.B. von der Arbeit nach Hause, duschen, dann wieder mit dem Auto zum Grundstück, zurück nach Hause, Abendessen, wieder zum Grundstück, um mitten in der Nacht todmüde wieder zurückzufahren ist halt auch mehr wie umständlich ;)
Aber ja, es wäre ein cooles Projekt :)
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Nun, entweder du sprichst mit deinem Nachbarn, mit dem Ziel ein paar Quadratmeter zu pachten für eine größere Laube. Oder: Du suchst nach einen Haus/Grundstück, wohin du dann komplett umziehen kannst.
Bei mir haben die Kinder inzwischen das Haus verlassen, und eigene Familien gegründet. Da ist nun genug Platz im Haus für eine Gästewohnung (ich hab 5 Enkel) und meine Hobbywerkstatt.
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Aber es gefällt uns da, wo wir aktuell sind :) hatten erst letztes Wochenende Kondominiumgrillen, lud uns der Nachbar ein, voll nette Leute :D
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Thank you very much!
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16 Kilowatt, das ist wohl ein bisschen viel )) aber die Sonne scheint ja ungleichmäßig. Berechnet auf Morgen und Abend – wird es wahrscheinlich sehr gut sein.
Ich habe schon öfters über meine "autonome Stromversorgung" geschrieben, die nur aus zwei Autobatterien besteht und lediglich den Router sowie meinen Mini-PC mit Monitor speist. Und das sind nur ca. 60 Watt Verbrauch, für mich zum Arbeiten, wenn es keinen Strom gibt. Letzten Winter hatten wir Tage, an denen der Strom nur 3–4 Stunden pro Tag gegeben wurde. Das war sehr schwer 😒😒 Man schafft es vielleicht nicht, die Batterien aufzuladen. Man wollte gar nicht daran denken, wenn der Strom eine Woche oder einen Monat lang weg wäre 😒😒
Ich denke über 5 kW nach – ich schätze, das würde mir reichen, auf dem Dach ist wenig Platz – deshalb würde ich statt 460 Watt lieber 560 oder sogar 660 Watt nehmen, falls es solche gibt 😁 und die nicht viel teurer sind.
Hallo @sergeyk, ich habe meine Anlage bewusst großzügig dimensioniert, um auch an trüben Wintertagen möglichst genug Strom für die Versorgung meines gesamten Haushalts zu ernten. Das ist etwas anderes, als wenn man „nur“ Stromausfälle überbrücken will.
560- oder 660-Watt-Module gibt es durchaus. Allerdings sind diese meistens auch entsprechend größer und damit unhandlicher. Bei begrenzter Dachfläche sollte man deshalb vor allem auf den Wirkungsgrad und die Leistung pro Quadratmeter achten.
Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem Vorhaben!
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Autarkie bekommst Du nur hin, wenn Du diversifizierst: Biogas und / oder Wind dazu. Wäre aber vermutlich eine Lebensaufgabe, das zu optimieren...
16,5 kWp sind aber schon eine amtliche Hausnummer! Installierst Du die selber? Nee, ne?
Ich strebe keine 100 % Autarkie an. Zunächst möchte ich herausfinden, wie weit ich mit meiner bewusst großzügig dimensionierten Solaranlage und dem Batteriespeicher komme.
Mein Haus hat eine Gasheizung. Ich hoffe, in der Übergangszeit einen Teil der Heizenergie und auch die Warmwasserbereitung mit überschüssigem Solarstrom abdecken zu können. Damit würde ich nicht nur Strom, sondern auch ein wenig Gas sparen.
Und ja, ich mache möglichst viel selbst! 😉. Die Planung, Materialbeschaffung und vorbereitenden Arbeiten übernehme ich 💪. Die Montage auf dem Dach macht mein Dachdecker. Für den elektrischen Anschluss beauftrage ich einen Elektriker.
Dennoch bleibt reichlich interessante Arbeit für mich.
Liebe Grüße aus Sachsen!
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Alter Falter. Respekt! Wünsche auf jeden Fall gutes Gelingen und ganz viel Sonne auf's Dach ;-))
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Thank you so much!
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Vielleicht klappt es ja vor Weihnachten mal mit Lotto wieder. Dann kannste Dich entspannt zurück lehnen und andere für Dich arbeiten lassen... ;o)